Stimmung vs. Realität
Vor dem diesjährigen Parteitag der Conservative Party in Birmingham sind die Vibes objektiv besser als im letzten Jahr. Es herrscht Konsens darüber, dass Kemi Badenoch ihre Führung stabilisiert hat und die internen Kämpfe, die die Partei jahrelang geprägt haben, vorerst verstummt sind. Aber hinter den Kulissen bleiben einige Abgeordnete realistisch: Die Partei liegt in den Umfragen immer noch weit abgeschlagen auf dem dritten Platz.
Ein Abgeordneter stellte fest: „Die Stimmung ist besser, aber die Fakten sind immer noch ziemlich mies.“ Während Badenoch in ihrer Position derzeit sicher sitzt, steckt die Partei in einer Sackgasse und schneidet in Umfragen sogar schlechter ab als während des Wahlzyklus 2024, in dem sie bei den Wahlen absolut zerstört wurde.
Der strategische Pivot
Badenoch setzt konsequent auf eine Strategie, um Wähler zurückzugewinnen, die zu Reform UK abgewandert sind. Dazu gehört ein Programm, das sich auf die Einschränkung von Sozialwohnungen für Nicht-Briten, den Entzug der Staatsbürgerschaft bei Doppelstaatsbürgern, die wegen schwerer Verbrechen verurteilt wurden, und die Kürzung von Sozialleistungen konzentriert. Sie haben sogar versprochen, die Auslandshilfe zu kürzen, um 50.000 neue Haftplätze zu finanzieren.
Das ist ein mutiger Move, aber er sorgt bei einigen gemäßigten Konservativen für Stress. Es gibt die Befürchtung, dass die Partei durch das Anbiedern an den rechten Rand die moderaten, „politisch heimatlosen“ Wähler in Gegenden wie Surrey und Oxfordshire vernachlässigt, die zu den Liberal Democrats abgewandert sind. Kritiker sorgen sich, dass dieser Ansatz die Gefahr birgt, sie erneut als die „nasty party“ zu brandmarken – ein Begriff, der 2002 von Theresa May geprägt wurde.
Der Weg nach vorn
Trotz der Risiken gibt es ein neues Gefühl von Zielstrebigkeit, auch weil die lautesten Unruhestifter die Bühne verlassen haben. Da Robert Jenrick weg ist, wirkt die Partei geschlossener, was einen Schattenminister zu der Bemerkung veranlasste: „Wir haben unsere Toxizität an Reform ausgelagert.“
Experten wie Tim Bale sind jedoch skeptisch, was das Kalkül angeht. Da die Tories in den Umfragen Schwierigkeiten haben, über die 20-Prozent-Marke zu kommen, ist die Hoffnung, dass Reform in sich zusammenbricht und die aktuelle Regierung schwächelt, ein riskanter Gamble. Vorerst genießen die Tories den relativen Frieden, aber sie kämpfen immer noch darum zu beweisen, dass sie nicht bedeutungslos geworden sind.
Warum das wichtig ist
Selbst mit verbesserten persönlichen Umfragewerten für Badenoch bleibt sie im negativen Bereich. Die Partei setzt auf eine Strategie, die den rechten Flügel priorisiert – ein Zock darauf, dass sie den Weg zur Macht sichern können, ohne die Mitte zurückzugewinnen. Ein Move, der über Erfolg oder Misserfolg im nächsten Wahlzyklus entscheiden könnte.






