Die Stimmung bei der UN

Benjamin Netanyahu betrat am Donnerstag bei den Vereinten Nationen in New York die Bühne und man kann sagen: Die Vibes waren echt off. Als er ans Mikrofon trat, zogen dutzende Delegierte ab und verließen den Saal der Generalversammlung, was den Sprecher dazu zwang, zur Ordnung aufzurufen. Es herrschte eine richtig angespannte Atmosphäre.

Netanyahu nutzte seine Redezeit für einen Hardliner-Kurs, der vor allem auf seine Wählerbasis zu Hause abzielt, da ihm dort eine harte Wahlsaison bevorsteht. Er hielt sich nicht zurück, bezeichnete den laufenden Krieg im Gazastreifen als das „Gegenteil eines Völkermords“ und behauptete, Israel sehe sich mit einer globalen anti-jüdischen Verschwörung konfrontiert. Er schoss sogar direkt gegen prominente Kritiker: Er nannte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan einen „Tyrannen“ und bezeichnete den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani als „antisemitischen Bürgermeister“.

Der Kontext

Die Rede war ein Wirbelsturm bekannter Positionen. Er bekräftigte die gemeinsamen US-israelischen Angriffe auf den Iran vom Februar und sagte: „Wenn wir das nicht getan hätten, wären wir alle tot.“ Während er versucht, in den Schlagzeilen zu bleiben, macht er das im Alleingang; er wird während dieser Reise voraussichtlich weder Donald Trump noch andere hochrangige US-Vertreter treffen, vor allem, weil er für das Sukkot-Fest und seinen eigenen politischen Alltag nach Israel zurückkehrt.

Derweil war der palästinensische Führer Mahmoud Abbas nicht einmal im Raum. Seiner Delegation wurden von der Trump-Administration die Visa verweigert, da sie Friedensverpflichtungen nicht erfüllt hätten. Abbas hielt stattdessen eine Videoansprache aus Ramallah, in der er die israelische Politik als einen „boshaften kolonialen Plan“ beschrieb.

Die Reaktion auf der Straße

Vor der UN war die Energie chaotisch. Hunderte Demonstranten versammelten sich in Manhattan, um ein Ende des Krieges zu fordern, was zu über 100 Festnahmen durch das NYPD führte. Bürgermeister Mamdani, der zuvor gesagt hatte, Netanyahu sei in NYC nicht willkommen, geriet ins Visier der Rhetorik des Premiers, hielt sich aber von den Protesten fern, um sich auf das „Recht zu protestieren“ in der Stadt zu konzentrieren.

Warum das wichtig ist

Netanyahu balanciert derzeit auf einem schmalen Grat zwischen internationaler Isolation und einem innenpolitischen Wahlkampf. Indem er auf diese aggressive, konfrontative Rhetorik setzt, priorisiert er eindeutig seine rechte Basis, statt die Beziehungen zur internationalen Gemeinschaft zu verbessern. No cap, das ist eine riskante Strategie, die genau zeigt, wie stark sich die Situation polarisiert hat.