Was ist passiert
Im Fall einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung durch Mitglieder der Chi Phi-Verbindung an der Cornell University gibt es eine krasse juristische Wende. Eine ehemalige Studentin, bekannt als Jane Doe, hat eine Zivilklage gegen die Uni und sieben ehemalige Verbindungsmitglieder eingereicht. Sie gibt an, im Oktober 2024 mit Ketamin betäubt und über mehrere Stunden hinweg sexuell missbraucht worden zu sein. Laut Klage soll ein Mitglied der Verbindung während des Vorfalls eine Snapchat-Nachricht verschickt haben, in der sie „angeboten“ wurde.
Zwischen den Parteien herrscht ein massiver Konflikt. Der Anwalt der Betroffenen, Thomas Giuffra, wirft der Universität Versagen beim Schutz der Überlebenden vor und kritisiert, dass die Behörden anfangs nicht vernünftig ermittelt hätten. Dagegen behauptet der Bezirksstaatsanwalt von Tompkins County, Matthew Van Houten, dass die Studentin bei ihrer Aussage im November 2024 den Sex und den Drogenkonsum als einvernehmlich beschrieben habe. Die Verteidiger der Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe komplett und führen Haaranalysen an, um den Drogenkonsum zu widerlegen; zudem behaupten sie, die Betroffene habe nicht unter Zwang gestanden.
Der zeitliche Ablauf
- Oktober 2024: Der mutmaßliche Vorfall ereignet sich im Chi Phi-Verbindungshaus.
- November 2024: Die Betroffene macht eine erste Aussage bei der Campus-Polizei, die laut Staatsanwaltschaft die Ereignisse als einvernehmlich darstellte.
- Nach dem Vorfall: Cornell führt eine Title-IX-Untersuchung durch, die zu Exmatrikulationen, Suspendierungen und der Schließung der Chi Phi-Niederlassung führt.
- September 2026: Jane Doe reicht in Manhattan Zivilklage ein, was die Staatsanwaltschaft von Tompkins County dazu veranlasst, die strafrechtlichen Ermittlungen offiziell wieder aufzunehmen.
Warum das wichtig ist
Dieser Fall wirft kritische Fragen auf, wie Bildungseinrichtungen und Polizei mit Meldungen über sexualisierte Gewalt umgehen. Das Anwaltsteam der Betroffenen argumentiert, dass systemisches Nichtstun und das Versäumnis, Beweise – wie etwa Chatverläufe – richtig zu prüfen, das Opfer in eine ausweglose Lage gebracht haben. Sie musste beispielsweise auf demselben Campus bleiben wie ihre mutmaßlichen Peiniger, weil sie sich einen Wechsel nicht leisten konnte. Die Situation zeigt deutlich die Herausforderungen für Überlebende, die zwischen den internen Disziplinarverfahren der Uni und dem strafrechtlichen System jonglieren müssen – besonders, wenn sich Aussagen über die Zeit zu widersprechen scheinen.
Wie geht es weiter
Bezirksstaatsanwalt Matthew Van Houten hat angekündigt, den Fall innerhalb von 45 Tagen vor eine Grand Jury zu bringen. Die Ermittlungen sollen alle verfügbaren Beweise erneut prüfen, inklusive der strittigen Aussagen und der Snapchat-Kommunikation. Unterdessen läuft die Zivilklage vor Gericht weiter, wo die beschuldigten Verbindungsmitglieder weiterhin auf ihrer Unschuld beharren.
FAQ
Wurde jemand festgenommen? Nein, laut dem Anwalt der Betroffenen wurde bisher keiner der in der Klage genannten Männer im Zusammenhang mit dem Vorfall verhaftet.
Warum hat die Staatsanwaltschaft den Fall wieder aufgerollt? Die Staatsanwaltschaft nahm die Ermittlungen nach der Zivilklage wieder auf, die neue Details enthielt, auch wenn die Betroffene laut Polizei die Ereignisse 2024 zunächst als freiwillig beschrieben hatte.
Was ist mit der Verbindung passiert? Die Cornell University führte nach dem Vorfall eine Title-IX-Untersuchung durch, die zum Rauswurf bzw. der Suspendierung von Mitgliedern und der endgültigen Schließung der Chi Phi-Niederlassung führte.



