Realitätscheck für den Einzelhandel

Wenn du das Gefühl hast, deine lokale Einkaufsstraße sieht aus wie eine Geisterstadt, dann täuschst du dich nicht – jedes achte Ladenlokal in britischen High Streets steht aktuell leer. Die Kombi aus Online-Shopping und großen Out-of-Town-Centern ist ein massives L für die klassische Einkaufsstraße. Experten von Revo und Lambert Smith Hampton gehen davon aus, dass wir landesweit 20 % bis 40 % mehr Verkaufsfläche haben, als wir eigentlich brauchen – das alte Modell ist also quasi komplett durch.

Das Aberdeen-Experiment

Aberdeen in Schottland leistet massiven Widerstand gegen den Verfall seiner ikonischen 'Granite Mile', der Union Street. Nachdem Marks & Spencer im letzten August die Flagship-Filiale schloss, schaltete sich eine Community-Koalition namens 'Our Union Street' ein – angeführt vom ehemaligen FTSE-100-CEO Bob Keiller.

Sie ziehen das Projekt wie ein Startup auf, nicht wie ein Behörden-Ding. Das Team fokussiert sich extrem auf:

  • Auditing: Sie spüren abwesende oder im Ausland ansässige Vermieter auf, um genau zu checken, warum die Einheiten leer stehen.
  • Anreize: Sie bieten städtische Zuschüsse für den Innenausbau und zweijährige Rabatte bei den Gewerbesteuern, um die Hürden für neue Mieter zu senken.
  • Small Wins: Freiwillige putzen Graffiti weg und sammeln Müll, um den Vibe der Stadt zu verbessern und den Stolz der Bürger zu pushen.

Läuft das eigentlich?

Real talk: Es ist ein harter Grind. Als das Projekt 2023 startete, waren 57 der 198 Einheiten in der Union Street leer. Seitdem konnten sie 33 füllen, 14 weitere sind in der Pipeline. Es ist wie ein Spiel gegen die Zeit – im selben Zeitraum wurden zwar 20 neue Einheiten frei –, aber sie füllen die Lücken offiziell schneller, als neue entstehen. Sie setzen zudem verstärkt auf die 'Experience Economy' und bringen Food-Märkte und Kultur-Spaces statt nur auf Old-School-Einzelhandel zu setzen.

Warum das wichtig ist

High Streets sind der Main Character der Identität einer Stadt. Wenn sie scheitern, entsteht ein Teufelskreis aus asozialem Verhalten und Desinvestition, der nur schwer zu stoppen ist. Wie Experten wie Iain Nicholson betonen, wird der 'Markt' diese Leerstände nicht allein lösen. Ob durch Community-Gruppen oder neue staatliche 'High Street Rental Auctions', die Vermieter dazu bringen können, leere Einheiten zu vermieten – Städte müssen heute aggressiver vorgehen, um zu überleben. Wenn du eine begehbare, florierende Nachbarschaft willst, sind diese massiven strukturellen Veränderungen in der Nutzung städtischen Raums der einzige Weg nach vorn.