Die unsichtbaren Milliardäre
Früher waren Pornomogule wie Hugh Hefner echte Promis. Sie waren laut, stolz und jeder wusste, wer sie waren. Laut der Wirtschaftsjournalistin Patricia Nilsson sind diese Zeiten aber längst vorbei. In ihrem neuen Buch Guilty Pleasure: The Pornification of the Internet, the Economy, and Everything Else erklärt sie, dass die Leute, die heute die größten Adult-Seiten der Welt betreiben, wie Geister sind. Es sind meist Banker oder Tech-Nerds, die sich aktiv im Hintergrund halten, um dem Stigma zu entgehen – was Nilsson als absolute Heuchelei bezeichnet.
Die Übernahme durch Tech-Bros
Nilsson hat fünf Jahre lang die Pornoindustrie wie jeden anderen Wirtschaftszweig analysiert und ist tief in die Finanzen und Logistik hinter dem Bildschirm eingetaucht. Was sie fand, ist krass: Die Leute an der Spitze haben oft null Interesse am Content selbst. Sie konzentrieren sich auf "staubtrockene" Themen wie Zahlungsabwicklung und Affiliate-Marketing. Nilsson beschreibt, wie sie an Branchenkonferenzen teilnahm und dort Räume voller Männer in Tech-Westen vorfand, die kaum wahrhaben wollten, was das Unternehmen eigentlich verkauft.
Warum das wichtig ist
Nilssons Recherche deckte Figuren wie Bernd Bergmair auf, den ehemaligen Goldman-Sachs-Banker, der zehn Jahre lang MindGeek (die Muttergesellschaft von Pornhub) besaß. Obwohl er ein riesiges Imperium besaß, das die sexuelle Kultur prägte, blieb er so unsichtbar, dass Brancheninsider sogar an seiner Existenz zweifelten. Diese krasse Anonymität ist ein massives Problem – sie macht es für Regulierungsbehörden fast unmöglich, jemanden zur Rechenschaft zu ziehen, wenn Dinge schiefgehen, etwa als Pornhub 2020 Millionen nicht verifizierte Videos löschen musste.
Nilsson betont, dass die Taktiken, die von diesen Seiten vorangetrieben wurden – etwa wie sie mit Traffic und Daten umgehen –, heute das gesamte Internet bestimmen. „Die Geschichte der Online-Pornoindustrie ist eigentlich die Geschichte des heutigen Internets“, sagt sie und macht klar, dass wir alle in der Welt leben, die sie aufgebaut haben, egal ob wir den Content konsumieren oder nicht.




