Der Kurswechsel

Der texanische Senatskandidat James Talarico versucht aktuell, seine Einstellung zur Grenzpolitik komplett zu überarbeiten. In einem am Montag veröffentlichten Wahlkampf-Spot kritisiert Talarico den ehemaligen Präsidenten Joe Biden direkt und behauptet, er habe ihn damals dafür „zur Rechenschaft gezogen“, dass er uns an der Grenze „im Stich gelassen“ habe. Für einen Demokraten, der in einem so konservativen Bundesstaat wie Texas antritt, ist das der klassische Versuch, sein Image aufzupolieren und moderate Wähler für sich zu gewinnen.

Der Faktencheck

Natürlich lassen das Internet – und seine politischen Gegner – die alten Belege nicht auf sich beruhen. Während Talarico sich jetzt als Demokrat positioniert, der für „Grenzschutz“ steht, erzählt seine Vergangenheit eine andere Story. In einem Interview mit dem Austin Chronicle von 2019 schlug Talarico vor, das gesamte Budget von 800 Millionen Dollar für die Grenzsicherung stattdessen in das öffentliche Bildungswesen zu stecken. Damals bezeichnete er die Maßnahmen zur Grenzsicherung sogar lowkey als „politisches Theater“ und meinte, dass Ausgaben für Boote und zusätzliche Beamte das eigentliche Problem nicht lösen würden. Auf Nachfrage nach konkreten Beispielen für seine Kritik an Biden lieferte sein Wahlkampfteam bisher keine stichhaltigen Beweise.

Eine komplizierte Geschichte

Das ist nicht das erste Mal, dass Talaricos Vergangenheit seinen aktuellen Wahlkampf-Vibe stört. Er war früher ein lautstarker Kritiker der Grenzpolitik von Gouverneur Greg Abbott und nannte sie zeitweise sogar „Gräueltaten“. Er fiel außerdem durch kontroverse Aussagen auf, wie etwa die Forderung nach der Auflösung der ICE oder die Aussage, illegale Einwanderer seien seine „Wahlkreisangehörigen“. Sein Sprecher, JT Ennis, ist aktuell damit beschäftigt, das Image zu retten, und betont, dass sich Talaricos aktuelle Agenda auf den Kampf gegen Gewaltverbrecher und Menschenhändler konzentriert und er die Unterstützung mehrerer Sheriffs aus den Grenzregionen genießt.

Warum das wichtig ist

Im Hinblick auf die Midterms am 3. November steckt Talarico in einem knappen Rennen gegen seinen republikanischen Rivalen Ken Paxton. Talarico musste sich kürzlich erst mit wilden Gerüchten auseinandersetzen, nachdem er einige Tage lang abgetaucht war – er stellte dann klar, dass er nur die Grippe hatte. Jetzt setzt er alles darauf, dass eine härtere Haltung zur Einwanderung ihm hilft, den Rückstand in diesem wichtigen Texas-Duell aufzuholen. Die Stimmung ist auf jeden Fall ordentlich aufgeladen.