Die aktuelle Lage
Nach neun Jahren hinter Gittern ohne ein abgeschlossenes Verfahren wurde der britische Sikh-Aktivist Jagtar Singh Johal endlich aus einem Gefängnis in Delhi entlassen. Der Schritt erfolgte, nachdem ein Richter am High Court der indischen Regierung quasi ein Ultimatum gestellt hatte: Entweder er kommt bis 14:30 Uhr frei, oder es droht ein Verfahren wegen Missachtung des Gerichts.
Wie es dazu kam
Johal sitzt seit November 2017 wegen Terrorismusvorwürfen in Haft – konkret soll er extremistische Pläne in Punjab finanziert haben. Sein Anwaltsteam und die Organisation Reprieve kritisieren das Verfahren schon lange als Farce. Das Hauptproblem? Die Regierung konnte bisher keine glaubwürdigen Zeugen vorlegen, die ihre Behauptungen stützen würden. Johal gibt außerdem an, dass seine anfänglichen Geständnisse durch Folter erzwungen wurden.
Obwohl ihm bereits am 18. September eine Kaution gewährt wurde, blieb er im Gefängnis, weil die Beamten auf eine „Klarstellung“ des Innenministeriums warteten. Das Ganze war ein bürokratischer Albtraum – seine Anwälte berichteten, dass Anfragen an das Ministerium einfach ignoriert wurden. Diese Verzögerung führte zum finalen Showdown vor Gericht, das die Beamten schließlich zur Freilassung zwang.
Was jetzt passiert
Auch wenn Johal endlich draußen ist, ist er noch lange nicht über den Berg. Gegen ihn laufen weiterhin acht Terrorismusanklagen vor einem Bundesgericht, und die Gefahr der Todesstrafe besteht weiterhin. Er muss sich zudem an strenge Kautionsauflagen halten: Er musste seinen Pass abgeben, eine Kaution von 500.000 Indischen Rupien hinterlegen und darf sich in den Medien nicht zum Fall äußern.
Sein Bruder, Gurpreet Singh Johal, sagte, er habe es erst geglaubt, als er Jagtar tatsächlich aus den Gefängnistoren kommen sah.
Warum das wichtig ist
Der Fall sorgt seit Jahren für enorme diplomatische Spannungen zwischen Großbritannien und Indien. Aktivisten sind zwar erleichtert, dass er die Zelle verlassen konnte, betonen aber, dass der rechtliche Prozess an sich schon eine Form der Bestrafung war – und der Kampf, seinen Namen reinzuwaschen, ist noch lange nicht vorbei.






