Als ein neues „Department of Government Efficiency“ anfing, junge Tech-Leute in Bundesbehörden zu schicken, um alles aufzumischen, war nicht jeder bereit, das Spiel mitzuspielen. Ein Beispiel dafür: der Zoff zwischen einer IRS-Datenschutzchefin und einem von Musk ernannten Mitarbeiter wegen des Zugriffs auf sensible Daten von Einwanderern.
Alles begann am 13. Februar 2025, als Gavin Kliger, ein selbsternannter „Doge-Fan“ und angeblicher Schützling von Elon Musk, in der Lobby des IRS auftauchte und Zugang zu den Systemen der Behörde verlangte. Das Sicherheitspersonal meldete ihn bei Traci DiMartini, der Leiterin der Personalabteilung des IRS, die jedoch keinerlei Unterlagen über ihn hatte. Es stellte sich heraus, dass Kliger drei Wochen zuvor vom Office of Personnel Management eingestellt worden war, aber sein unangekündigtes Erscheinen und die Forderung nach sofortigem Zugriff auf Steuerzahlerdaten lösten sofort Alarm aus.
„Nichts davon ist normal“, soll Traci gegenüber Kollegen gesagt haben, wobei sie anmerkte, dass laut Standardverfahren jeder erst ein Steueraudit und ein Ethik-Training absolvieren muss, bevor man Systemzugriff bekommt. Kliger, der angeblich sehr arrogant auftrat und komplett schwarz gekleidet war, bestand auf sofortigem Zugriff – eine Haltung, die die Behördenmitarbeiter völlig baff machte.
Kathleen Walters, die oberste Datenschutzbeauftragte des IRS, wurde daraufhin beauftragt, Kliger über Datenschutzgesetze zu briefen. Walters, die ein Team von 650 Leuten leitet, das die Privatsphäre von 266 Millionen Steuererklärungen schützt, fand die Situation absurd. Nur wenige Tage zuvor hatte die gesamte Bundesbelegschaft eine E-Mail erhalten, in der sie aufgefordert wurde, ihre wöchentlichen Erfolge zu melden – eine Anfrage, die Walters angesichts der sensiblen Natur der IRS-Arbeit für „wahnsinnig“ hielt. Sie sorgte sich, dass Mitarbeiter versehentlich vertrauliche Informationen preisgeben oder sogar unbefugtes Ausspähen zugeben könnten, was sie direkt ins Gefängnis bringen könnte.
Walters, die gerade eine Krebserkrankung hinter sich hatte, war 50 Meilen entfernt, als Traci sie anrief. Sie organisierte ihre Stellvertreterin Phyllis Grimes für das Briefing. Grimes, eine schwarze Frau, hatte bereits über Kliger gelesen und fühlte sich in der Situation unwohl. Sie „warf sich sozusagen in die Handgranate“, um das Briefing zu übernehmen, obwohl ihre genauen Erfahrungen dabei unklar bleiben.
Kligers Online-Präsenz zeichnete das Bild eines „Musk- und Trump-Superfans“, der Verachtung für Staatsausgaben und Einwanderer zeigte und eine Vorliebe für „rassistische und ableistische Witze“ hatte. Seine Online-Aktivitäten, die er später löschte, wurden vom Forbes-Autor John Hyatt mittels Web.archive aufgedeckt. Dieser Hintergrund verstärkte die Sorgen über seine Absichten und den „Doge-Team“-Ansatz, Bundesbehörden radikal zu stören.
Warum das wichtig ist
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Spannungen zwischen der traditionellen Bürokratie und der neuen, aggressiven Herangehensweise der „Doge“-Akteure. Die Frage, wer Zugriff auf die sensibelsten Daten der Bürger hat, ist nicht nur eine Frage der IT-Sicherheit, sondern auch ein massives politisches und ethisches Problem.






