Das Geheimnis des Vesuvs
Im Jahr 79 n. Chr. brach der Vesuv aus und hat die Stadt Herculaneum quasi im Handumdrehen verkohlt. Obwohl die Katastrophe eine Tragödie war, entstand dadurch versehentlich eine gigantische Zeitkapsel: eine Bibliothek mit über 1.000 Papyrusrollen, die zu spröden, schwarzen Klumpen verbrannt sind. Wissenschaftler versuchen seit Jahren, diese zu lesen, aber beim Versuch, sie abzurollen, zerfallen sie meistens zu Staub. Ziemlich bitter.
Das „heiße“ Experiment
Douglas Seiler, ein Partner des Berkeley SETI, wurde kreativ. Er schnappte sich Papyrus, Schilfrohrstifte und Tinte und ließ Schüler alles Mögliche aufschreiben – von „Star Wars“-Zitaten bis hin zu Bibeltexten. Dann versiegelte er alles in einem Behälter und erhitzte es in einem Hochtemperaturofen, um die vulkanische Zerstörung von Herculaneum perfekt zu imitieren.
Das Ziel? Herauszufinden, ob bestimmte Metalle – speziell Blei – uns helfen könnten, den versteckten Text zu „lesen“, ohne die Rollen jemals berühren zu müssen. Seilers Team fand heraus: Wenn die Tinte Blei enthält, erscheint sie bei einer Röntgentomographie (CT-Scans) etwa 25-mal deutlicher als bei herkömmlichem Ruß auf Ruß. Es ist im Grunde wie ein Cheat-Code, der die Tinte auf dem Scan sichtbar macht.
Warum das wichtig ist
Das könnte der absolute „Heilige Gral“ für die Archäologie sein. Die meisten antiken Schriften sind im Laufe der Zeit verloren gegangen, aber die Bibliothek von Herculaneum könnte Werke enthalten, von denen wir nicht einmal wussten, dass sie existieren. Durch den Einsatz tragbarer Röntgenfluoreszenz-Scanner können Forschende nun Rollen untersuchen, um zu sehen, ob sie Bleitinte enthalten, bevor sie sich für teure und zeitaufwändige CT-Aufnahmen entscheiden. Ein riesiger W für Historiker, die im Wettlauf gegen die Zerbrechlichkeit dieser antiken Artefakte versuchen, unsere Vergangenheit zu rekonstruieren.





