Die Stimmung der 'dauerhaften Unterklasse'

Das Silicon Valley ist gerade absolut besessen davon, sich die hochbezahlten KI-Jobs zu sichern. Die Angst: Wer den Anschluss verpasst, landet in einer Art 'dauerhaften Unterklasse'. Aber für Frauen in der Tech-Branche ist das kein Szenario, sondern bittere Realität. Obwohl die Industrie als Neustart verkauft wird, bei dem alle die gleichen Chancen haben sollen, ist die Bilanz aktuell ein totaler L.

Die Zahlen lügen nicht

Aktuelle LinkedIn-Daten zeigen, dass Frauen letztes Jahr nur etwa 25 % der neuen KI-Stellen ergattert haben – im Vergleich zu 50 % in Nicht-KI-Bereichen. Bei Führungspositionen sackt die Zahl sogar auf desolate 13 % ab. Und es kommt noch dicker: Während KI-Jobs extrem gut bezahlen – oft doppelt so viel wie andere Tech-Jobs – stecken Frauen häufig in schlechter bezahlten Rollen wie der Datenannotation fest. Männer in der KI verdienen aktuell im Schnitt 45.000 Dollar mehr als Frauen.

Warum Frauen aussortiert werden

Es ist nicht nur ein Einstellungsproblem, sondern ein Culture-Ding. Urvashi Batra, CEO von Prioriwise, merkt an, dass sie oft weniger ernst genommen wird als ihr männlicher Mitgründer. Jayeeta Putatunda, AI Engineering Lead bei Turing, betont, dass das irre Tempo der Branche eine 'Survival of the Fittest'-Mentalität erzeugt. Da Unternehmen 12-Stunden-Tage und ständige Weiterbildung erwarten, haben es Frauen – besonders solche, die Verantwortung wie Elternzeit balancieren – ohne massives Support-System fast unmöglich, mitzuhalten.

'Es mangelt ihnen weder an Interesse noch an der Fähigkeit, dranzubleiben', so Putatunda. 'Es fehlt oft die Infrastruktur, die dieses Tempo überhaupt erst möglich macht.'

Der Rückschritt bei DEI

Die Lage wird noch messier, weil der institutionelle Rückhalt wegbricht. Unternehmen fahren Programme für Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion (DEI) wegen des veränderten politischen Klimas und rechtlichem Drucks durch das Justizministerium bei Antidiskriminierungsklagen zurück. Felicia Newhouse, Gründerin von AI Powered Women, gibt zu, dass es im aktuellen Klima deutlich schwerer wird, für Gender-Equity zu kämpfen.

Warum das wichtig ist

Wir steuern auf eine Machtkluft zu, die die wirtschaftliche Mobilität der nächsten Generation definieren könnte. Wie Brenda Darden Wilkerson von AnitaB.org es ausdrückt: Wir erleben einen 'Rückschritt'. Wenn Frauen nicht in den Räumen sitzen, in denen diese Modelle gebaut werden, bleibt die Tech-Zukunft ein Boys' Club. Das lässt einen riesigen Teil der Arbeitskräfte außen vor, während die Industrie in Warp-Geschwindigkeit davonzieht.