Der Vibe Shift

Frankreich ist gerade emotional, und das Kino spiegelt die Stimmung wider. Der neue Film Notre Salut (international bekannt als A Man of His Time) räumt gerade die Kinokassen ab, und der Grund dafür ist echt unheimlich. Statt einer typischen Heldensaga aus dem Zweiten Weltkrieg konzentriert er sich auf die "Basis" – die normalen Angestellten und Bürokraten, die das mit den Nazis kollaborierende Vichy-Regime am Laufen hielten, während 76.000 Juden in Konzentrationslager deportiert wurden.

Warum das anders ist

Regisseur Emmanuel Marre, der einen Drehbuchpreis in Cannes gewann, hat den Film auf Briefen aufgebaut, die er in der Schublade seiner eigenen Familie fand und die von seinem Urgroßvater handelten, einem Verwaltungsangestellten unter Marschall Philippe Pétain. Der Film ist keine Geschichtsstunde; er nutzt moderne Beleuchtung und 80er-Jahre-Europop, um die Vergangenheit erschreckend nah erscheinen zu lassen.

Historiker Marc Olivier Baruch weist darauf hin, dass das Gruseligste nicht ein Schurke ist, der Monologe hält – es ist der Hauptcharakter, der sich Sorgen um die Kosten für Stroh und Nachttöpfe für Viehtransporter macht. Es ist diese eisige "Ich hab nur meinen Job gemacht"-Energie, die die Leute so befremdlich finden.

Warum das wichtig ist

Mal ehrlich: Frankreich steuert auf eine Präsidentschaftswahl zu, bei der die rechtsextreme Partei National Rally in den Umfragen führt. Kritiker und Historiker vermuten, dass jüngere Zielgruppen diesen Film schauen, um zu verstehen, wie Demokratien langsam zerfallen und wie "der Mechanismus der Aufgabe demokratischer Werte" tatsächlich funktioniert. Wie Marre sagt, hat Frankreich jahrzehntelang seine Kollaborateur-Vergangenheit unter den Teppich gekehrt, um zu überleben, aber jetzt ist es an der Zeit, diese Schubladen endlich zu öffnen. Die Story wird noch spannender, weil für viele im Jahr 2026 die Frage, wie rechtsextreme Bewegungen an die Macht kommen, nicht nur Geschichte ist – es ist der aktuelle Diskurs.