Die Lage vor Ort

Mal Tacheles: Die Stimmung in der Ukraine ist gerade extrem heftig. Über Nacht feuerte Russland eine massive Salve von 70 Raketen auf zentrale und östliche Regionen ab, darunter Kyiv, Dnipro, Krementschuk, Saporischschja und Oleksandrija. Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte die Offensive „niederträchtig“ und wies darauf hin, dass die Angriffe Wohngebäude trafen – besonders in Pryluky, wo 14 Menschen, darunter drei Kinder, offiziell für tot erklärt wurden. Bei dem Angriff wurden mindestens 50 weitere Personen verletzt.

Die Polizei in Kyiv fand sogar eine nicht explodierte Iskander-Rakete mitten in einem Wohnviertel, was ehrlich gesagt absolut beängstigend ist. Das ist purer Ausnahmezustand. Selenskyj betonte, dass die Angriffe ein gezielter Versuch waren, die Energieinfrastruktur zu treffen, wahrscheinlich als Reaktion auf kürzliche ukrainische Vorstöße.

Die Vergeltung

Die Ukraine hat aber auch nicht tatenlos zugesehen. Selenskyj bestätigte, dass sie in den letzten 24 Stunden Vergeltungsschläge gegen russische Ölanlagen und einen Truppenübungsplatz in den Regionen Perm, Samara und Astrachan ausgeführt haben. Es gab auch eine Reaktion im Schwarzen Meer, wo ein unter liberianischer Flagge fahrender Öltanker in der Nähe von Sotschi von unbemannten Booten angegriffen wurde.

Währenddessen ist die Situation im Schwarzen Meer absolut chaotisch. Ein ziviles Frachtschiff sank Berichten zufolge nach einem Drohnenangriff in der bulgarischen ausschließlichen Wirtschaftszone, und ein zweites Getreideschiff wurde in der Nähe getroffen. Während 18 Besatzungsmitglieder des zweiten Schiffes gerettet werden konnten, wurde die Suche nach der vermissten Crew des gesunkenen Schiffes eingestellt.

Warum das wichtig ist

Diese Eskalationsspirale ist ein direkter Versuch beider Seiten, die Energie- und Versorgungsleitungen des jeweils anderen lahmzulegen. Da Russland seine Kampagne intensiviert und die Ukraine dringend um mehr Unterstützung bei der Flugabwehr bittet, steckt der Konflikt aktuell in einer extrem gefährlichen, gewalttätigen Endlosschleife fest. Die Lage spitzt sich zu, da beide Seiten kritische Infrastruktur als Hauptziel in dieser festgefahrenen Auseinandersetzung betrachten.