Die Umlaufbahn leidet unter Platzangst

Real Talk: Das All ist zwar riesig, aber der erdnahe Orbit (LEO) wird extrem schnell voll. Mit über 11.000 Satelliten im All macht Starlink etwa zwei Drittel der gesamten aktiven Hardware da oben aus. Auch wenn der Weltraum unendlich scheint, ist es dort mittlerweile wie im Stau auf der Autobahn, wenn Firmen wie Amazon und diverse internationale Betreiber anfangen, ihre eigenen massiven Netzwerke hochzuschießen.

Das Problem mit der „Gesetzmäßigkeit großer Zahlen“

Michael Nicolls, ein Top-Manager bei SpaceX und der KI-Tochter xAI, hat diese Woche beim International Astronautical Congress in der Türkei Tacheles geredet. Er betonte, dass das Risiko einer Kollision zwar an einem einzelnen Tag gering sei, aber je mehr Zeug wir in die Umlaufbahn bringen, desto höher wird die Gefahr eines Crashs, der jede Menge Weltraumschrott erzeugt.

Nicolls verriet, dass Starlink-Satelliten bereits täglich etwa 1.000 Ausweichmanöver fliegen müssen. Er wies auf einige beängstigende Beinahe-Zusammenstöße hin, bei denen andere Betreiber ihre Satelliten bewegten, ohne Bescheid zu sagen – was zu gefährlichen Begegnungen auf nur wenige Dutzend oder Hunderte Meter führte. „Viel zu nah für unseren Geschmack“, so Nicolls.

Warum Koordination aktuell lowkey scheitert

Bisher gibt es keinerlei globale Verträge, die Satellitenbetreiber dazu zwingen, ihre Flugbahnen – oder „Ephemeriden-Daten“ – miteinander zu teilen. Manche Firmen halten diese Daten geheim, weil sie denken, es sei ein Wettbewerbsvorteil, aber das ist ein absolutes L für die Sicherheit im All.

SpaceX gibt an, dass sie versuchen, den Standard vorzugeben, indem sie ihre eigene Konstellation auf einer niedrigeren Höhe halten, um stark befahrene Zonen zu meiden, und ihre Daten aktiv teilen. Rajeev Badyal, Leiter von Amazons Project Kuiper (Amazon Leo), hat das bestätigt und gesagt, dass sie sich bereits eng mit SpaceX abstimmen.

Die Story wird allerdings komplizierter, wenn es um internationale Betreiber geht. Nicolls räumte ein, dass es ein riesiges Problem sei, Daten von bestimmten globalen Akteuren zu bekommen – besonders von einigen in China und Russland. Ohne eine universelle Vereinbarung, Bewegungen zu kommunizieren, fahren wir quasi auf einer Autobahn ohne Fahrbahnmarkierungen oder Bremslichter.

Warum das wichtig ist

Wenn wir weiterhin Megakonstellationen in den Orbit schießen, ohne ein „Verkehrsregelsystem“ für den Weltraum einzuführen, könnte eine einzige schwere Kollision eine Trümmerwolke erzeugen, die eine Kettenreaktion auslöst – was uns für Jahre den Zugang zum Orbit blockieren könnte. Es geht nicht nur um Satelliten, die vom Himmel fallen; es geht darum, die Bahnen für alles freizuhalten, von GPS bis zum weltweiten Internet. Wenn Weltraumbetreiber ihren Status als Main Character behalten wollen, müssen sie anfangen, ihre Standortdaten zu teilen, no cap.