Das Ende einer Ära?

Sony muss für seine Pläne ordentlich einstecken – und zwar von den eigenen Leuten. Shawn Layden, der ehemalige President und CEO von Sony Interactive Entertainment America, hat im Podcast The Expansion Pass kein Blatt vor den Mund genommen und die Entscheidung des Unternehmens scharf kritisiert, ab 2028 keine physischen Discs mehr für Konsolen herzustellen. Layden hält sich absolut nicht zurück: Er nennt den Schritt eine „rein tabellenkalkulierte Entscheidung“, die nur darauf abziele, Kosten zu senken und die Margen zu pushen.

Seit Sony die Pläne im Juli angekündigt hat, ist die Community komplett am Rad gedreht. Eine „Don't Kill the Disc“-Petition hat bereits über 385.000 Unterschriften gesammelt und einige Interessengruppen rufen sogar zum Boykott auf. Aber bisher ignoriert Sony die Stimmung in der Community völlig; bewegt hat sich da noch nichts.

Die Besitz-Falle

Layden bringt das Grundproblem auf den Punkt: Wenn man Discs abschafft, verliert man die Möglichkeit, Spiele wirklich zu besitzen. Man kauft im Grunde nur eine widerrufbare Lizenz, was ehrlich gesagt absolut kein Flex ist. „Wenn man eine Sache nicht weiterverkaufen kann, dann besitzt man sie auch nicht“, erklärte Layden. „Wenn man es nicht besitzt, was kauft man dann überhaupt?“

Das ist nicht nur graue Theorie. Sony hat kürzlich vor einem Gericht in Kalifornien argumentiert, dass kein „vernünftiger Konsument“ erwarten sollte, die Spiele, die er im PlayStation Store kauft, wirklich zu besitzen. Sie haben in juristischen Dokumenten im Prinzip zugegeben, dass man nur den Zugriff mietet – was für Leute, die 70 Euro pro Titel hinlegen, schon extrem shady ist.

Kann Krypto deine Sammlung retten?

Natürlich springt jetzt die Krypto-Community auf den Zug auf und behauptet, NFTs könnten die Lösung für digitales Eigentum sein. Die Theorie: Wäre dein Spiel ein NFT, hättest du einen verifizierbaren On-Chain-Nachweis für dein Eigentum, den kein Unternehmen einfach so löschen könnte.

Aber bevor man alles in Gaming-Token steckt, muss man es 100% klar sagen: Die aktuelle NFT-Technik ist immer noch von zentralen Servern abhängig. Wenn ein Entwickler den Stecker zieht, könnte dein „Asset“ am Ende nur ein toter Link zu einem offline gegangenen Server sein. Solange die Industrie nicht auf eine komplett dezentralisierte Infrastruktur und verschlüsselte Metadaten umsteigt, bleibt man der Plattform ausgeliefert.

Warum das wichtig ist

Layden merkt an, dass zwar nur noch etwa 20 % der Spielerschaft Discs kaufen, das aber die „treuesten“ Sammler sind – die Leute, die sich Spiele sogar nur fürs Regal kaufen. Indem Sony diese Kern-Community vor den Kopf stößt, riskiert die Marke einen massiven Imageschaden. Es zeigt sich mal wieder: Wenn man nur auf die Excel-Tabelle starrt, kann das krass nach hinten losgehen.