Die Situation vor Ort
Frankreich erlebt gerade einen extremen Stimmungswechsel. Was vor vier Wochen als Protest gegen die Lebenshaltungskosten und studentische Probleme startete, ist mittlerweile komplett eskaliert. Heute gab es heftige Zusammenstöße in Paris und anderen Großstädten; die Place de la République wurde quasi zur Kampfzone mit Tränengas, Wasserwerfern und Feuerwerk. Es ist einfach nur noch wild. Laut Innenministerium wurden allein heute mindestens 272 Personen festgenommen, dazu kommen Berichte über Plünderungen und Angriffe auf öffentliche Gebäude.
Das politische Blame-Game
Präsident Emmanuel Macron, der in seine letzten sechs Amtsmonate geht, versucht gerade einen schwierigen Spagat. Während einer Kabinettssitzung räumte er ein, dass junge Menschen "legitime Sorgen" haben, wirft aber gleichzeitig politischen Gruppen vor, diese Energie für eigene Wahlkampfzwecke auszunutzen. Regierungssprecherin Maud Bregeon sagt, Macron wolle schnell "konkrete Antworten" auf die Unruhen.
Premierminister Sébastien Lecornu schlägt einen deutlich schärferen Ton an und beschuldigt speziell die linke Partei La France Insoumise (LFI), die Studentenbewegung "instrumentalisiert" zu haben. Währenddessen stellt sich Marine Le Pen vom Rassemblement National hinter die Polizei und schiebt den Studenten die Schuld für die Gewalt in die Schuhe. Da die Präsidentschaftswahlen für April und Mai angesetzt sind, versucht jeder, den Schwarzen Peter dem anderen zuzuschieben.
Spannungen zwischen Polizei und Öffentlichkeit
Es geht nicht nur um Demonstranten gegen die Regierung; auch die Polizei steckt in einer weirden Situation. Die Gewerkschaft Alliance Police Nationale hat sogar Klage gegen die Regierung eingereicht, weil sie widersprüchliche Befehle erhält und sich von der Führung "verraten" fühlt. Sie berichten von 937 verletzten Beamten seit Beginn der Unruhen, während das Justizministerium von insgesamt fast 8.000 Festnahmen spricht. Gleichzeitig werfen Menschenrechtsgruppen und Demonstranten der Polizei unverhältnismäßige Gewalt vor; das Innenministerium untersucht aktuell 36 Fälle von möglichem Fehlverhalten durch Beamte.
Die Stimmung verbreitet sich
Die Frustration schwappt auch über die Grenzen. In Belgien gibt es ähnliche Proteste in Brüssel und Lüttich, wobei einige Einheimische behaupten, die Events seien "organisiert und wiederholt", um die Gesellschaft zu destabilisieren. Während in der Schweiz und Luxemburg kleinere, friedliche Solidaritätskundgebungen stattfanden, hoffen die Behörden, dass sich die Lage bald beruhigt, da die französischen Schulen wegen der Allerheiligenferien bis zum 2. November schließen.
Warum das wichtig ist
Frankreich steckt aktuell in einer massiven Instabilitätsspirale. Da die Zustimmungsraten der Regierung auf dem Spiel stehen, die Moral der Polizei am Boden liegt und die Wahlen vor der Tür stehen, wird es immer krasser. Ob die Proteste während der Ferien abklingen oder sich zu einer noch größeren Krise für Macrons letzte Monate auswachsen, ist das Thema, auf das momentan alle schauen.






