Eine Verbeugung vor einer Popkultur-Ikone

Maria Grazia Chiuri mischt bei Fendi gerade ordentlich auf. Für ihre zweite Ready-to-wear-Saison hat sich die Designerin von der verstorbenen italienischen Pop-Legende Raffaella Carrà inspirieren lassen. Bekannt für ihren ikonischen Bob, ihre Liebe zu Pailletten und sex-positive Texte, war Carrà nicht einfach nur eine Sängerin – sie war eine echte Grenzgängerin. 1970 zeigte sie sich als Erste mit bauchfreiem Oberteil im italienischen Fernsehen und vertrat selbstbewusst die Haltung, dass Frauen in Beziehungen das Sagen haben sollten.

Chiuri beschrieb Carrà als eine „unglaubliche Feministin“ und betonte, dass ihr Style von absoluter Freiheit geprägt war. Dieser Vibe war auf dem Runway überall zu spüren. Models präsentierten durchsichtige Kleider im 70er-Jahre-Stil, Spitzen-BHs und Pelzstolas mit Vintage-Touch, während bei der Menswear tief ausgeschnittene, aufgeknöpfte Hemden dominierten. Ein Look, der sich gleichzeitig nostalgisch und verdammt mutig anfühlt.

Tech-Giganten erobern den Laufsteg

Während Fendi für Aufsehen sorgte, war die Vogue World Show das absolute Highlight der Milan Fashion Week. Das Event in der Galleria Vittorio Emanuele II brachte Stars wie Jennifer Lopez, Cardi B und Alicia Keys zusammen. Es hat aber auch den Wandel bei der Finanzierung von Fashion-Events verdeutlicht. Mit Sponsoren wie OpenAI und Meta Glasses wurde die Show sogar von einer Tanz-Performance zweier Roboter begleitet. Das Feedback war gemischt – manche Online-Beobachter meinten nur trocken, dass „die Vermieter den Chat betreten haben“, da Tech-Giganten immer tiefer in die Welt der High Fashion eindringen.

Warum das wichtig ist

Mode verschmilzt immer stärker mit der Geschichte der Popkultur und knallharter Konzern-Finanzierung. Während Designerinnen wie Chiuri ihre Plattform nutzen, um feministische Ikonen und persönlichen Ausdruck zu feiern, signalisiert die Präsenz von Big Tech bei Fashion-Events eine neue Ära: Runway-Shows werden zu kommerziellen Großproduktionen, finanziert von genau jenen Plattformen, die unser digitales Leben tracken.