Die Lage im Norden Äthiopiens sieht zunehmend düster aus. Äthiopien hat Eritrea offiziell einer 'vollumfänglichen Invasion' in seine Region Tigray beschuldigt und behauptet, dass eritreische Streitkräfte bis zu 60 Kilometer über die Grenze vorgedrungen seien. In einem Brief an den UN-Sicherheitsrat bezeichnete der äthiopische Außenminister Gedion Timothewos die Bewegung als 'eklatanten Akt der Aggression' und betonte Äthiopiens Recht auf Selbstverteidigung.

Unterdessen ist die Stimmung auf der anderen Seite der Grenze absolut im Keller. Eritreas Informationsminister Yemane Gebremeskel schoss zurück, nannte die Anschuldigungen eine 'Form extremer Doppelzüngigkeit' und behauptete, Eritrea sei das Land, das sich einem 'unprovozierten Aggressionskrieg' gegenübersieht.

Die Lage spitzt sich zu

Das Ganze kommt nicht aus dem Nichts. Die beiden Länder, die während des zweijährigen Bürgerkriegs, der 2022 endete, noch gemeinsam gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) kämpften, haben eine rapide Verschlechterung ihrer Beziehung erlebt. Die Spannungen bauen sich seit Monaten auf, vor allem wegen des Interesses des äthiopischen Premierministers an einem Hafen am Roten Meer, der Eritrea gehört. Die diplomatischen Beziehungen wurden letzte Woche offiziell abgebrochen.

Vor Ort ist die Situation mittlerweile extrem gefährlich. Äthiopische Drohnenschläge sollen am Mittwoch und Donnerstag eritreische Truppen in der Stadt Adigrat getroffen haben. Berichten zufolge wurden dabei Militärfahrzeuge zerstört und einige eritreische Einheiten zum Rückzug in den Norden gezwungen. Auch wenn es noch keine bestätigten Opferzahlen gibt, ist die Sorge groß, dass dies in einen massiven Regionalkonflikt abdriften könnte.

Warum das wichtig ist

Wir sehen hier, wie ein zerbrechlicher Frieden zerfällt. Nach einem Bürgerkrieg, der die Region verwüstet hat, drohen diese neuen grenzüberschreitenden Feindseligkeiten zwischen Äthiopien und Eritrea jahrelange Bemühungen um eine Normalisierung zunichtezumachen. Die Grenze entwickelt sich zum neuen Brennpunkt und könnte auch benachbarte Gruppen in das Chaos hineinziehen.