Ein neuer Vibe

Andy Burnham signalisiert offiziell eine Änderung im Tonfall, was die Beziehung des Vereinigten Königreichs zur Europäischen Union angeht. Nach seiner Rückkehr vom Parteitag versucht er aktiv, sich von der "Ziellosigkeit und Spaltung" des letzten Jahrzehnts zu distanzieren. Er hat sogar mit dem Finger auf den Kreml gezeigt und erklärt, es sei "klar", dass dieser in das Brexit-Referendum 2016 involviert war – eine direkte Abkehr von früheren Regierungen, die dieser Realität ausgewichen sind.

Der Reality-Check

Trotz des ganzen Geredes über einen "Reset" ist die Lage aktuell lowkey verwirrend. Während Burnham den Remainern zwar schmeichelt und zugibt, dass der Brexit mehr geschadet als genutzt hat, spielt er weiterhin auf Sicherheit. Er hat versprochen, an den aktuellen roten Linien festzuhalten: kein Wiedereintritt in den Binnenmarkt, keine Zollunion und keine Personenfreizügigkeit.

Experten merken an, dass Brüssel langsam genervt davon ist, dass das UK große Töne spuckt, ohne wirklich viel zu ändern. Beim anstehenden UK-EU-Gipfel im November soll es um Handelsabkommen für Lebensmittel, Energieverbindungen und Jugendmobilität gehen, aber das sind meistens Themen, die schon in früheren Gesprächen durchgekaut wurden.

Das Long Game

Der Wiedereintritt in die EU ist der Elefant im Raum. Auch wenn aktuelle Umfragen zeigen, dass ein beachtlicher Teil der Bevölkerung sich wünscht, der Brexit wäre nie passiert, ist die Entscheidung für ein zweites Referendum highkey riskantes Terrain. Es würde genau das Drama neu entfachen, das das Land vor einem Jahrzehnt zerrissen hat.

Außerdem ist die EU nicht mehr dieselbe Union wie 2016. Mit dem Aufstieg rechtsextremer Parteien und einer neuen protektionistischen "Made in Europe"-Industrieagenda steht das UK aktuell vor einer Situation, in der seine Exporte als "nicht-europäische" Waren behandelt werden könnten. Burnham ist im Grunde damit beschäftigt auszurechnen, ob es besser ist, mit am Tisch zu sitzen oder von draußen zuzuschauen.

Warum das wichtig ist

Forschungen deuten darauf hin, dass das BIP pro Kopf im Vereinigten Königreich deutlich niedriger ist, als es ohne den Brexit wäre. Burnhams Herausforderung ist es, diesen wirtschaftlichen Bremsklotz zu lösen, ohne einen politischen Bürgerkrieg zu provozieren – besonders da sich die EU auf einen Kurs zubewegt, der das UK noch weiter ins Abseits drängen könnte.