Strategiewechsel in der EU

Das Europäische Parlament hat gerade eine wichtige Resolution verabschiedet, die darauf abzielt, den Einfluss der Muslimbruderschaft und das, was Offizielle als „islamistischen Entryismus“ bezeichnen, zu bekämpfen. Das ist eine ziemlich große Sache, denn es ist das erste Mal, dass Europa diese Netzwerke offiziell in einem einzigen Text adressiert. Die Resolution, die von der konservativen EVP-Fraktion angeführt wurde, soll verhindern, dass die EU Gruppen finanziert oder legitimiert, die angeblich demokratische Prozesse nutzen, um westliche Werte von innen heraus zu untergraben.

Wer will was

Céline Imart, die französische EU-Abgeordnete, die die Resolution eingebracht hat, bezeichnete die Abstimmung als „historischen Sieg“, der ein langjähriges Tabu in europäischen Institutionen gebrochen habe. An dem Vorstoß wurde bereits seit einem Jahrzehnt gearbeitet, wobei Länder wie Frankreich und Österreich auf eine härtere Linie drängten. Befürworter argumentieren, dass „gewaltfreier“ oder „legaler“ Islamismus nicht als Gegenmittel zum Terrorismus gesehen werden dürfe, sondern eher als Einfallstor, das ein Umfeld für Radikalisierung schafft.

Es sorgt jedoch für massiven Wirbel. Die Resolution wurde von sozialistischen und linksextremen Gruppen boykottiert. Unterdessen kritisierte das Antirassismus-Netzwerk ENAR den Schritt scharf und nannte ihn „rassistisch und islamophob“. Sie argumentieren, dass die Resolution eine „Politik des Misstrauens“ schaffe, die sich gegen muslimisch geprägte Zivilgesellschaften und Antidiskriminierungsorganisationen richte.

Der Realitätscheck

Obwohl die Abstimmung ein riesiges politisches Statement ist, sind Experten wie Lorenzo Vidino von der George Washington University eher skeptisch, was die unmittelbaren Auswirkungen angeht. Er merkt an, dass diese Gruppen ihre Aktivitäten gut tarnen können und es in Europa eigentlich keine Organisation gibt, die sich offiziell als „Muslimbruderschaft“ bezeichnet. Die eigentliche Arbeit verlagert sich nun darauf, ob diese politische Haltung tatsächlich in bindende Gesetze umgesetzt werden kann – und da sind sich alle einig, dass das ein harter Kampf wird. Um es mal ehrlich zu sagen: Es wird ein langer Prozess, bis man sieht, ob sich vor Ort wirklich etwas ändert.

Warum das wichtig ist

Diese Resolution signalisiert eine deutliche Veränderung in der Wahrnehmung interner Unterwanderung durch europäische Institutionen. Indem die EU „Entryismus“ offiziell als Bedrohung für demokratische Institutionen und Gleichheit einstuft, bewegt sie sich auf einen Rahmen zu, der dem US-Ansatz ähnelt, welcher die Bruderschaft und einige ihrer Ableger bereits als terroristische Organisationen einstuft.