Die Lage

Indien steckt aktuell in einer heftigen politischen Krise, nachdem 130 Millionen Namen – das ist mehr als die gesamte Bevölkerung Japans – aus dem nationalen Wählerverzeichnis gelöscht wurden. Der Prozess nennt sich „Special Intensive Revision“ (SIR). Während die Regierung von Premierminister Narendra Modi das Ganze als notwendige Bereinigung von verstorbenen oder doppelt geführten Personen verkauft, sieht die Realität vor Ort ganz anders aus. Kritiker und Aktivisten zweifeln an der Ehrlichkeit der Regierung. Sie argumentieren, dass dies eine systematische Strategie ist, um Muslime, untere Kasten und einkommensschwache Gruppen, die traditionell eher nicht die Bharatiya Janata Party (BJP) wählen, politisch auszuschalten.

Das menschliche Schicksal

Es fühlt sich an wie in einer Dystopie für Menschen wie Shahida Fakir. Die 38-jährige Wanderarbeiterin stellte fest, dass ihr Name fehlte, obwohl sie Geburts- und Landurkunden bis ins Jahr 1962 vorweisen kann. Die Situation eskalierte komplett, als sie von der Polizei festgenommen und nach Bangladesch deportiert wurde – ein Land, in dem sie noch nie war. Sie sitzt dort fest und kämpft für ihr Recht, nach Hause zurückzukehren. Das ist kein Einzelfall; Familien leben in ständiger Angst, dass ihr gelöschter Registrierungsstatus sie direkt in Internierungslager bringt, selbst wenn ihre Vorfahren seit Generationen in Indien begraben sind.

Das politische Schachspiel

Mal ehrlich: Das Ganze eskalierte, nachdem die Regierung Modi die Ernennung von Wahlkommissaren änderte und der Exekutive so deutlich mehr Kontrolle verschaffte. Wahlleiter Gyanesh Kumar ist das Gesicht dieser Änderungen und steht jetzt im Zentrum der Proteste. Jugendbewegungen wie die „Cockroach Janta Party“ (CJP) und Oppositionsparteien gehen derzeit in den Großstädten auf die Straße. Sie fordern Kumars Rücktritt und bezeichnen den gesamten Prozess als „Waffe zum Wahlbetrug“. Sogar ehemalige Wahlleiter melden sich zu Wort und nennen die SIR eine „feindselige Übung“, die das gesamte demokratische Fundament untergräbt.

Warum das wichtig ist

Indiens Wahlkommission galt lange Zeit als ziemlich unabhängig. Wenn diese Neutralität wegfällt, gerät das Fundament der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt massiv ins Wanken. Die Opposition wirft der BJP vor, dies zu nutzen, um Wahlen zu ihren Gunsten zu manipulieren. Da nun auch die Justiz involviert ist, dreht sich in der indischen Politik alles um die Frage: Wer darf wählen und wer gilt als „echter“ Bürger? Die Spannung steigt, während der Supreme Court Petitionen prüft, den Revisionsprozess komplett zu stoppen.