Das Versäumnis

Das wirkt absolut fahrlässig. Ein aktueller vorläufiger Bericht des National Transportation Safety Board (NTSB) hat ans Licht gebracht, dass ein Fluglotse der Crew eines Amazon-Frachtflugzeugs vor der Landung in Miami letzten Monat eine entscheidende Windwarnung vorenthalten hat.

Mal ehrlich: Die Vorschriften verlangen ausdrücklich, dass Fluglotsen bei einer Landeerlaubnis Windgeschwindigkeit und -richtung angeben, wenn Rückenwind herrscht. Obwohl der Lotse nur vier Minuten zuvor ein anderes Flugzeug vor Windböen von bis zu 40 km/h gewarnt hatte, gab er diese Info einfach nicht an die Amazon-Crew weiter.

Die fatale Abfolge

Das Flugzeug, eine 32 Jahre alte Boeing 767 geladen mit Kontaktlinsen, kam aus Puerto Rico und setzte zu schnell auf. Am 6. September schoss die Maschine etwa 365 Meter über das Ende der Landebahn des Miami International Airport hinaus. Das Ergebnis ist herzzerreißend: Das Flugzeug raste in einen Transporter eines Reinigungsteams, wobei fünf Menschen ums Leben kamen. Zwei weitere Personen im Transporter wurden schwer verletzt, ebenso wie der Fahrer eines Autos, das von der Maschine getroffen wurde.

Die letzten Minuten im Cockpit müssen chaotisch gewesen sein. Audioaufzeichnungen zeigen, wie ein Pilot den anderen immer wieder darauf hinwies, dass sie zu schnell seien, doch der andere Pilot reagierte nicht konsistent. Die Maschine setzte mit 296 km/h auf, rund 1,2 Kilometer hinter dem Landebahnanfang, und verließ den Asphalt schließlich mit 210 km/h.

Die Folgen

Obwohl Experten wie das ehemalige NTSB-Mitglied John Goglia sagen, dass dieses Versäumnis signifikant war, merkte er an, dass Flugzeugabstürze meist eine Kette von Ereignissen sind und nicht nur eine einzelne Ursache haben. Das NTSB ermittelt noch, und es könnte über ein Jahr dauern, bis die endgültige Unfallursache feststeht.

In der Zwischenzeit hat Amazon die Partnerschaft mit 21 Air, der Fluggesellschaft aus North Carolina, die den Flug durchführte, pausiert. 21 Air gab in einer Stellungnahme bekannt, den Bericht zu prüfen und geeignete Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit zu ergreifen. Diese Tragödie ist ein schwerer Schlag für die Logistikbranche, nachdem vor weniger als einem Jahr bei einem UPS-Frachtflugzeugabsturz in Louisville 15 Menschen ums Leben kamen.

Warum das wichtig ist

Dieser Vorfall unterstreicht, wie kritisch die Kommunikation für die Flugsicherheit ist. Wenn eine einfache, vorgeschriebene Windwarnung unterbleibt, kann die „Kette von Ereignissen“, die in eine Katastrophe führt, in Gang gesetzt werden – mit verheerenden Konsequenzen für unschuldige Menschen am Boden.