Keine Predigten hier

James Gray macht es offiziell: Er will uns nicht mit einer Vorlesung zutexten. Bei der Premiere seines neuen Crime-Dramas Paper Tiger auf dem New York Film Festival erklärte der Regisseur, dass zwar jeder Film ein bisschen politische DNA in sich trägt, er das Kino aber nicht in einen Debattierclub verwandeln möchte. „Kunst ist keine Sonntagsschule“, so Gray. Er stehe eher auf Filme, die auf Subtext setzen, anstatt dem Publikum eine Lektion erteilen zu wollen.

Ein Titel mit weirdem Timing

Der Titel Paper Tiger hat eine unerwartete Energie, wenn man bedenkt, wie oft der Begriff in letzter Zeit in den News auftauchte. Präsident Donald J. Trump hat die Phrase – die historisch etwas beschreibt, das einschüchternd wirkt, aber eigentlich schwach ist – genutzt, um Russland während des Ukraine-Kriegs zu kritisieren. Gray gibt zu, dass das „auf seltsame Weise schmeichelhaft“, aber ein totaler Zufall ist; er hatte das Skript geschrieben, lange bevor Trump anfing, den Ausdruck gegen seine politischen Gegner zu verwenden.

Einblicke in den Film

Paper Tiger begleitet Gary (Adam Driver), einen Polizisten, der seinen Bruder Irwin (Miles Teller) in einen zwielichtigen Business-Deal hineinzieht, der sie direkt ins Visier der russischen Mafia bringt. Das Drama wird noch heftiger, als Irwins Frau Hester (Scarlett Johansson) eine plötzliche medizinische Diagnose erhält. Der Titel bezieht sich darauf, dass Gary die Mafia erst als reine Luftnummer abtut, nur um dann festzustellen, dass er völlig überfordert ist.

Ursprünglich sollte das Projekt ein Sequel zu Grays Film Armageddon Time werden und sich auf den Kampf seiner Mutter gegen ein Glioblastom konzentrieren. Stattdessen verlagerte sich die Story auf den Härtegrad eines Systems, das erst überschaubar aussieht, bis es dein Leben komplett zerstört. Als Gray bei der Premiere gefragt wurde, ob das Label auch auf Trump persönlich zutreffe, blieb er classy und schwieg.

Warum das wichtig ist

In einer Medienwelt, in der jedes Kunstwerk auf seinen politischen Standpunkt hin durchleuchtet wird, beharrt Gray darauf, dass es im Kino um die Nuancen der menschlichen Existenz gehen sollte. Und mal ehrlich: Die zufälligen Parallelen zwischen seinem Skript und den aktuellen internationalen Spannungen geben dem Filmtitel einen absolut wilden Plot-Twist.